Offener Brief an unseren Gemeindepräsidenten

Die Schulverwaltung und die Politische Gemeinde wirtschaften je auf eigene Rechnung. Beide erzielten Überschüsse. Für die Sanierung der Fussballplätze will der Gemeinderat 2,6 Millionen - für die teuerste Lösung mit Kunstrasen. Dafür soll zusätzliches Geld vom Steuerzahler her: ein Kredit. An der Gemeindeversammlung reicht es aus, wenn die Fussballer abstimmen.

Wer garantiert, dass der Kredit keine Steuererhöhung zur Folge haben wird?

SEHR GEEHRTER HERR THALMANN

Sie befürworten eine 2,6 Millionen Investition für die Aufrüstung des örtlichen Fussballclubs. Auf Kredit. Die Stimmbürger haben hier zwar das letzte Wort, aber wenn im Schnitt nur 100 Personen zur Gemeindeversammlung kommen, sollte dieses hochdotierte Heimspiel des FC für seine über 300 Mitglieder ein Leichtes sein. Wie zum Beispiel in Hühnenberg. Der dortige Club mobilisierte und kam zum ungefährdeten Erfolg.

Als wir zusammen mit Hans Riethmann die Petition für ‚Briefliche Stimmabgabe‘ für alle Geschäfte einreichten, hatten wir vor allem vor Augen, solche FC-Entscheide in Zukunft zu verunmöglichen. An der Urne ist die Beteiligung 6-8 Mal höher und der Entscheid somit gerechter. Unsere Bitte, die Petition dreimal in der Tägerwiler Post abzudrucken, kam bei Ihnen nicht gut an und nach einem Hin-und-her haben Sie entschieden:

„einmal auf Kosten der Allgemeinheit, alles andere erscheint mir unverschämt und unkorrekt gegenüber anderen Gruppierungen.“

Nun, in Sachen Kunstrasen finden einige Bürger unverschämt den Vorschlag, Millionen-Schulden für den FC aufzunehmen. Wie wird hier – in der Breitensport-Unterstützung – mit anderen Gruppierungen umgegangen? Investiert die Gemeinde proportional auch annähernd so viel in andere Vereine oder in Frauensport?

Eine Renovation des Naturrasens ist 3mal günstiger und die Ökobilanz ist nachweislich besser. Im Artikel der Kreuzlinger Zeitung vom 23. Juni 2018 haben wir anlässlich der Eröffnung der zweiten E-Tankstelle erfahren, dass Sie auf unsere Umwelt Wert legen:

„Markus Thalmann empfindet die Eröffnung einer zweiten E-Tankstelle mit Carsharing-Station als eine weitere Bereicherung für Tägerwilen.

Durch den Energierichtplan ist man ohnehin bemüht, die Gemeinde für ein grösseres Umweltbewusstsein zu stärken, deshalb kommen solche Partnerschaften für Tägerwilen sehr gelegen.“

Auf die Anfrage von Hans Riethmann, ob die Umwelt-Problematik bei der geplanten Kunstrasen-Installation berücksichtigt worden ist, haben Sie geschrieben:

„DIE UMWELT-PROBLEMATIK IN VERBINDUNG MIT EINEM KUNSTRASEN: WIE GESAGT, IST DIESES ARGUMENT IM GEMEINDERAT NICHT DISKUTIERT WORDEN UND FÜR MICH PERSÖNLICH EIN ABSOLUTER NEBENSCHAUPLATZ.“

Also was jetzt? Umweltbewusstsein stärken oder ein absoluter Nebenschauplatz? Sie sagen, der Kunstrasen sei zukunftsträchtig und unsere Gemeinde sei in der glücklichen Lage, eine solche Investition problemlos bewältigen zu können. Sind die Stimmbürger glücklich darüber, dass sie einen Freizeit-Kredit abzahlen dürfen?

Und warum eine Kredit-Finanzierung? Wir Steuerzahler haben allein 2017 viel mehr einbezahlt als geplant: CHF 942’198 in die Politische Gemeinde und bei der Volkschulgemeinde waren die Steuereinnahmen auch um CHF 986’557.61 höher als budgetiert. Warum sollten wir bei diesen Überschüssen nun Schulden machen? Von mir verdient dieses Projekt ein klares NEIN.

ICH BITTE SIE, GEBEN SIE DAS KUNSTRASEN-PROJEKT AUF

Denken wir auch an die Kinder: Tagsüber lernen sie in der Schule, dass sie Znüni besser in einem Papiersäckli mitbringen und am Nachmittag sollen sie auf einem Plastikfeld ihren Spass haben? Wie erklärt man ihnen dann, welches Projekt wirklich zukunftsträchtig ist? Geschätzter Herr Gemeindepräsident, lenken Sie das Projekt in eine Sanierung des Naturrasens um und lassen Sie uns – gemeinsam – darüber Gras wachsen.

Wenn nicht, hoffe ich, dass gleichgesinnte Tägerwilerinnen und Tägerwiler an der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember 2018 ihren Willen zum Ausdruck bringen mit:

NEIN ZUM KUNSTRASEN 

JA ZUR URNENABSTIMMUNG FÜR ALLE GESCHÄFTE

 

Freundliche Grüsse

Miriam Löffel


UMFRAGE

Wie stehen Sie zur Urnenabstimmung für alle Geschäfte?

Vielen Dank für Ihre Meinung. Kommen Sie am 3. Dezember 2018 zur Gemeindeversammlung und entscheiden Sie mit, wie Sie in Zukunft Ihr Stimmrecht ausüben wollen.