Als Infoveranstaltung angekündigt – als Werbeanlass durchgeführt

Bürgerhalle Tägerwilen, 26. September 2018. Gemeindepräsident Markus Thalmann wirbt für den Kunstrasen. Bild: Petra Gruber

Am Mittwoch vergangener Woche kam für mich die erste Enttäuschung gleich zu Beginn: Ich hatte erwartet, dass sich der Präsident des FC Tägerwilen für die sich jährlich wiederholenden Zahlungen in sechsstelliger Zahl bedankt, die von den Tägerwiler Steuerzahlern allein an die Fussballer fliessen. Statt dessen wurde mit vielen Halbwahrheiten, falschen Zahlen und Panikmache versucht, die unbescheidene Forderung nach einem Kunstrasenplatz zu untermauern, der uns Steuerzahler 2,3 Mio Franken kosten soll. Und dies abgesehen von jährlichen Folgekosten mit geschätzten 150’000 – 200’000 Franken.

Völlig unerwähnt blieb den ganzen Abend die Möglichkeit der Sanierung der Spielfelder durch Naturrasen in der heute verfügbaren Sportplatz-Qualität. Eine solche hält rund 20 Jahre Stand (im Vergleich zu nur etwa 10 – 12 Jahren des Kunstrasens) und bringt  erst noch bei der Investition und im Unterhalt wesentliche Vorteile mit sich.

Auf die Bühne kam nun ein neuer Akteur – Mirko Spada – der, wie wir im Bericht von Viviane Vogel in der Thurgauer Zeitung (online auf tagblatt.ch) lesen können, als Projektverantwortlicher für das Kunstrasenprojekt des FC Tägerwilen vorgestellt wurde. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass in der an der letzten Gemeindeversammlung vorgestellten Arbeitsgruppe ‚Kunstrasenplatz‘ ein solcher Name noch gar nicht dabei ist. Wir erinnern uns an die Bekanntgabe der Mitglieder dieser Gruppe:

Schade nur, dass dieser neue Mann in der Gruppe die Sanierung des Naturrasens nicht einmal erwähnenswert findet. Wie im erwähnten Artikel zu lesen ist:

«Wir haben ein riesiges Problem», sagt Mirko Spada, Projektverantwortlicher für das Kunstrasenprojekt des FC Tägerwilen. «Wir können nur noch während fünf Monaten im Jahr auf unserem Rasen trainieren.»

Wer sowas behauptet, kennt offenbar die Möglichkeiten und das Know-How der Basler Spezialisten für Hochleistungs-Sportrasen nicht ansatzweise. Und dies, obwohl ich seit Monaten daran bin, unserem Gemeinderat eine Beratung durch den Fachmann Eric Hardmann zu vermitteln. Doch dies wird dahingehend abgewiesen, dass ich ihn auf meine eigenen Kosten einladen soll/darf, wenn ich dies will.

Nachdem Mirko Spada des Langen und Breiten referierte und auch die Vertreterin vom Kunstrasen-Anbieter sehr lange zum Einsatz kam – beide mit wenig untermauerten Tatsachen und ohne Überzeugungskraft – sind dann schlussendlich doch noch Stimmen aus dem Publikum gehört worden mit klarem Votum gegen das Projekt. Wie der Bericht in der Thurgauer Zeitung (Tagblatt) belegt:

Doch den Anwesenden scheint die Orientierung zu einseitig: «Ich habe eine neutrale Informationsversammlung erwartet, bin nun aber in einer einzigen Werbeveranstaltung gelandet», lautete eine Wortmeldung, für die es lauten Applaus gab.

Diese allgemein negative Beurteilung der Kunstrasen-Lösung veranlasste dann den Gemeindepräsidenten zum überraschend abrupten Abbruch der Veranstaltung.

Mir wurde einmal mehr gezeigt: Es gibt keine stichhaltigen Argumente gegen einen sanierten Naturrasen in der heutigen Top-Qualität. Er ist besser für die Gesundheit der Spieler, besser für die Umwelt und ganz sicher auch besser für die Finanzen unserer Gemeinde!

Und hier noch für alle, die es nicht wissen: Herr Eric Hardmann – der auch im Ausland bekannte Experte für Sportplatzbeläge mit jahrzehntelanger Erfahrung auch mit Naturrasen – hat sich bereit erklärt, zu uns nach Tägerwilen zu kommen und eine Beratung der Projektplaner durchzuführen. Der Gemeinderat muss sie nur wollen – mein Antrag in diesem Sinne ist ihm seit Mitte August bekannt.

Ihr kritischer Tägerwiler: Hans Riethmann